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20.11.2017 /Mit der Absage der FDP war’s das für die Jamaika-Koalition. Da die SPD sich einer weiteren Regierungsbeteiligung verweigert, wird es wohl Neuwahlen geben.

Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7961711

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“Wählt die Kandidaten der Nationalen Front”, das forderten Plakate regelmäßig vor Wahlen in der DDR. Die Nationale Front war eine Art Allparteienkoalition. Beteiligt mit eigenen Abgeordneten waren auch Organisationen wie der Kulturbund oder die Freie Deutsche Jugend. Immerhin: In dieser Koalition wusste jeder, was er zu tun hatte: einfach die jüngsten SED-Beschlüsse umsetzen. Welchen Koalitionsvertrag Jamaika umzusetzen gehabt hätte, wäre Ergebnis der Sondierungsgespräche gewesen. Kurz vor knapp erkannte die FDP große Unvereinbarkeiten und ließ den Koalitionspoker platzen. Gut so.

Zwar ist es in Deutschland üblich, dass CDU/CSU, SPD, Bündnis 90 / Die Grünen und die FDP Bündnisse miteinander eingehen, aber Jamaika wäre nun doch etwas zu viel Nationale Front 2.0 gewesen. Das muntere Koalieren jedes mit (fast) jedem trägt zur Parteienverdrossenheit bei. Besteht der wesentliche Vorzug der Demokratie nicht darin, eine Regierung, die ihre Wahlversprechen nicht einhält, bei der nächsten Wahl friedlich wieder loszuwerden? So sieht es zum Beispiel der Philosoph Karl Popper in “Alles Leben ist Problemlösen”. Das funktioniert bei Koalitionsregierungen nur bedingt – so dass beim Wähler der Eindruck entsteht, ein Parteienkartell regiere einfach weiter. Warum dann überhaupt noch zur Wahl gehen, sagen sich viele. Ein Änderung wäre nur möglich, wenn Deutschland vom Verhältniswahlrecht zum Mehrheitswahlrecht überginge: The Winner takes it all. Wahrscheinlich ist das nicht.

Welche Partei hat etwas von den Neuwahlen?
Vielleicht wenden sich noch mehr Protestwähler der Linken und der AfD zu, also den Parteien, mit denen auf Bundesebene keiner zu koalieren wagt. Oder die Leute haben genug von der ganzen Menkenke und treiben den Anteil der Union so weit  nach oben, dass es zu einer Zweierkoalition mit den Grünen oder der FDP reicht. Vielleicht kriegt ja aber auch die SPD zwei, drei Prozentpunkte mehr als zuletzt und geht dann mit gestiegenem Selbstbewusstsein und von “staatsmännischer Verantwortung” bramarbasierend doch in eine Große Koalition.  Vor dem Wahlkampf jedenfalls kann’s dem Bürger jetzt schon grausen.

Der Zweite Weltkrieg war in der DDR kein generelles Tabuthema. Über persönliche Erlebnisse im Krieg wurde in vielen Familien aber nicht gesprochen.  Wer dennoch wissen will, was Opa im Krieg gemacht hat: Eine Behörde hilft weiter.

Deutsche Truppen in Osteuropa, gemeinfreies Foto

Deutsche Truppen in Osteuropa, gemeinfreies Foto

So wie noch heute das Ehrenmal im Treptower Park in Berlin vom Sieg der Sowjetunion im zweiten Weltkrieg kündet, gab es in fast jeder DDR-Stadt kleinere Gedenkstätten. Der 8. Mai wurde als Tag der Befreiung begangen. Im Fernsehen liefen regelmäßig sowjetische Kriegsfilme oder auch die polnische Kriegsserie “Vier Panzersoldaten und ein Hund”. Hier die ruhmreiche Sowjetarmee, dort die dankbaren Befreiten, so lautete die Geschichtsschreibung. Die Kriegserlebnisse deutscher Soldaten wurden nur dann öffentlich zum Thema, wenn sie sich in das allgemeine Narrativ einbetten ließen. Da die DDR sich als antifaschistischer Staat und Erbe des Humanismus verstand, schien es dadurch in deren späteren Jahren beinahe so, als wäre im Osten Deutschlands niemand Nazi gewesen (außer vielleicht Hitler, wenn er zu Besuch war). Und auch niemand auf der falschen Seite des Krieges. In vielen Familien wurde deshalb kaum darüber geredet, was Familienangehörige als Soldaten der Wehrmacht erlebt haben. Je größer der zeitliche Abstand wurde, umso mehr verschwamm das Thema. Und plötzlich war keiner mehr da, den man hätte fragen können.

Wer nach Informationen über die Beteiligung seiner Familienangehörigen sucht, wird bei einer Behörde fündig: der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht. Dem sperrigen Namen zum Trotz gibt die Behörde auch Auskunft über die Dienstzeiten nicht Gefallener. Ihre Website fragt Angaben zur gesuchten Person ab, wie Name, Geburtsdatum und damalige Anschrift. Außerdem wird geprüft, ob der Nachfragende als Verwandter ein berechtigtes Interesse an der Auskunft hat. Aus vorhandenen Wehrmachtsunterlagen stellt sie dann ein Dossier zusammen, das sie pro Din-A4-Seite mit acht Euro in Rechnung stellt. Darin enthalten sind zum Beispiel das Datum der Einberufung, der Truppenteil, Lazarettaufenthalte, Versetzungen, Angaben zur Kriegsgefangenschaft. Natürlich ersetzen diese Informationen keine persönlichen Schilderungen. Aber sie geben immerhin eine Übersicht. Im konkreten Fall hat die Auskunft rund zwei Jahre gebraucht und 16 Euro gekostet.

Anfrage bei der Behörde

 

9.11.2017 / Selbst mich abgebrühten Texter erstaunt immer wieder aufs Neue, wo in der Sprache Fallstricke lauern. Oder gelauert werden. Ein Beispiel aus jüngster Zeit ist ein Gedicht, das in Berlin-Hellersdorf und deutschlandweit für diskursive Exzesse sorgt.

Pressefoto der Hochschule
Pressefoto der Hochschule

Hellersdorf ist ein unspektakulärer Teil von Berlin. Auf der einen Seite das größte zusammenhängende Einfamilienhausgebiet Deutschlands, auf der anderen Seite Plattenbauten, aufgelockert von allerlei Grün.  Außerdem gibt es die Fachhochschule Alice Salomon, Ausbildungsstätte zum Beispiel für Sozial- und Kinderpädagogen. Auf deren Fassade steht seit ein paar Jahren ein Gedicht, verfasst 1951 vom mittlerweile 92-jährigen bolivianisch-schweizerischen Künstler Eugen Gomringer, Begründer der Konkreten Poesie.

Das hier im Foto (Bildquelle: Pressefoto der Hochschule) abgebildete Gedicht lautet übersetzt:

alleen
alleen und blumen

blumen
blumen und frauen

alleen
alleen und frauen

alleen und blumen und frauen und
ein bewunderer

Studenten empfinden das Gedicht als sexistisch und patriarchalisch, weil es Frauen zu Objekten der Betrachtung degradiere. Sie meinen, das könne Angsträume schaffen und würde außerdem nicht zur Ausrichtung der Fachhochschule passen. Die Hochschulleitung zeigte den Studenten nicht etwa den Vogel oder die Vogelin (die Vögelnden analog zu Studierenden wäre hier wohl kein passender Gender-Begriff), sondern findet deren Argumentation schlüssig oder zumindest diskussionswürdig.  Nach dem ersten Bekanntwerden der Gedichtkritik rauschte gesamtdeutsch Erregung durchs Feuilleton. Vorgestern lud die Fachhochschule dann zu einer öffentlichen Diskussion ein, die 200 Plätze waren im Vorfeld schnell ausgebucht. Im Saal dann vor allem Befürworter der Bedenken. Da ein AfD-Bezirksverordneter anwesend war, konnte auch “Nazis raus” gerufen werden.

Demnächst können die Angehörigen der Fachhochschule über verschiedene Vorschläge zur Neugestaltung der Fassade abstimmen. Die Entscheidung trifft dann im Januar der Akademische Senat unter den beiden meist befürworteten Ideen sowie dem Vorschlag der Hochschulleitung.

Ein tristes Plattenbaugebiet. Mitten darin ein luftiges Gedicht, das Weite vermittelt und Weltläufigkeit und gute Laune. Und das schlechte Chancen hat gegen eine auf allzeitige Erregungsbereitschaft gepolte Öffentlichkeit. Sprache ist ein vermintes Gelände.

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6.11.2017 / Morgen jährt sich zum hundertsten Mal eine Revolution, die von ihren Anhängern als Große Sozialistische Oktoberrevolution* ikonografiert wird. Ihre Gegner sehen sie als blutsäuferischen Putsch.

“Der Kreuzer Aurora gab das Signal zum Sturm auf das Winterpalais”, diesem Satz konnte in der DDR und ihren Bruderstaaten kaum jemand entkommen. Was nicht geschrieben wurde: Auch die Kanonen der Peter-Pauls-Festung sollten das Signal geben, erwiesen sich aber als funktionsunfähige Museumsstücke. Als Ersatz sollte eine rote Laterne an der Spitze des Fahnenmastes der Festung gehängt werden. Es war keine aufzutreiben, und bei der hektischen Suche fiel der bolschewistische Kommandant der Festung in eine Schlammgrube.

Im Winterpalais saß die Provisorische Regierung Russlands. Nachdem die Zarenfamilie infolge der Februarrevolution abgedankt hatte, wollte die Provisorische Regierung eine bürgerlich-demokratische Ordnung nach westlichem Vorbild einführen – in einem Land, in dem nach Jahrhunderten der Leibeigenschaft und autokratischen Herrschaft der Zaren fast alle Voraussetzungen dafür fehlten und das sich als Teil der Entente im Krieg gegen Deutschland und die Mittelmächte befand. Provisorisch nannte sich die Regierung deshalb, weil sie nur bis zur Einberufung einer Konstituierenden Versammlung amtieren sollte. Sie vereinte parteilose, liberale und linke Politiker, aber nicht die Bolschewiki (übersetzt: Mehrheitler), wie sich die Partei Lenins und Trotzkis aufgrund einer eher zufälligen Zwei-Stimmen-Mehrheit auf einem Parteitag 1903 nannte. Die Bolschewiki wollten die Macht nicht teilen, sondern über die Sowjets komplett übernehmen. Sowjets waren Arbeiter- und Soldatenräte, die ebenfalls im Zuge der Februarrevolution entstanden waren, oft, aber nicht immer unter Kontrolle der Bolschewiki.

Der Vorsitzende der Provisorischen Regierung Kerenski, ein Vertreter der Partei der Sozialrevolutionäre, war bereits am Vormittag aus der Stadt geflüchtet. Für den Schutz seiner im Winterpalais verbliebenen Regierungsmitglieder sollten 3.000 Soldaten sorgen, die aber  weder genügend Munition noch Verpflegung hatten. Als die Provisorische Regierung zu ihrem letzten Abendmahl zusammenfand (Bortsch, gedämpfter Fisch und Artischocken), waren von ihren Verteidigern gerade noch 300 geblieben. Unter ihnen befand sich auch eine Kompanie des Frauen-Todesbataillons, einer im Weltkrieg gegründeten Kampfeinheit. Gegen 22:40 Uhr setzte der Beschuss des Palais ein, nach zwei Uhr morgens dann der Sturm durch eine eher kleine Gruppe Aufständischer. Von den Verteidigern starben sechs, die Angreifer hatten keine Verluste. Wer nicht rechtzeitig geflohen war, wurde gefangen genommen.  Drei der Soldatinnen des Todesbataillons wurden später vergewaltigt – wie auch zahlreiche Einwohnerinnen, nachdem die nachrückende Menge den reich gefüllten Weinkeller des Palais entdeckt hatte und ein betrunkener und mordender Mob sich durch St. Petersburg wälzte. Die Revolution hatte vorerst gesiegt.

Was folgt, ließe sich als eine Abfolge millionenfachen Mordes durch Bürgerkrieg, Hunger und Terror schildern. War die Oktoberrevolution also die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts? Oder sind die Erfolge der Arbeiterbewegung bis hin zur sozialen Marktwirtschaft nicht denkbar ohne die Angst der Schwerreichen vor der Strahlkraft der Ideen aus dem Osten?

*Die Oktoberrevolution fand im November statt, weil Sowjetrussland 1918 vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender gewechselt ist.

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Die Freie Universität Berlin untersucht in einer Studie das Wirken ehemaliger NSDAP-Mitglieder in Wissenschaft und Bildung der DDR. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert und läuft drei Jahre.

Die begleitende Pressemitteilung spricht davon, dass von knapp 6.000 SED-Funktionären in der Ministerialbürokratie Anfang der 1950er Jahre rund 1.000 frühere Nationalsozialisten waren. Auch ein Drittel der Mitarbeiter des ZK und von Bezirks- und Kreisleitungen der SED 1953 seien früher Mitglieder der NSDAP oder ihrer Massenorganisationen gewesen.

 

Das Kollektiv Staub zu Glitzer hat am Freitagabend die Volksbühne in Berlin besetzt. Die Intendanz des Theater am Rosa-Luxemburg-Platz war diesen Sommer von Frank Castorf zu Chris Dercon gewechselt.

Der neue Intendant ist umstritten, weil er statt eines Theaters mit festem Ensemble und Spielplan Gastspiele bevorzugt. Seine Kritiker befürchten deshalb eine “Eventisierung”. Erste Vorführungen im Theater hat Dercon für November avisiert.

Die Besetzung richtet sich nach Angaben von Staub zu Glitzer nicht gegen Dercon als Person, sondern gegen die Gentrifizierung von Berlin. Sie sei eine transmediale Theaterinszenierung. Das Theaterhaus stehe als Symbol für Stadtentwicklung und solle als widerständiger Ort erhalten bleiben. Geplant sei unter kollektiver Intendanz ein Ort für freie Theatergruppen, stadtpolitische Initiativen, aber auch ein Parlament der Wohnungslosen. Die Schauspieler und Regisseure der Castorf-Ära wurden zur Mitwirkung eingeladen. Chris Dercon solle sein aus Landesmitteln finanziertes Projekt am Flughafen Tempelhof fortführen.

Die Besetzung verlief friedlich. Die von Teilen der Presse erwähnten Zerstörungen des Gebäudes habe ich  persönlich gestern Nacht nicht bemerkt.

Pressetext der Besetzer

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Mit diesem Untertitel hat die Otto-Brenner-Stiftung ihre Studie Die “Flüchtlingskrise” in den Medien veröffentlicht.  Die Studie hat über einen zwanzigwöchigen Zeitraum 30.000 Medienberichte erfasst und 1.700 analysiert.

Im Fokus standen große Printmedien wie FAZ, Süddeutsche und Bild, 80 Lokal- und Regionalblätter sowie reichweitenstarke Online-Medien.  Die Studie gelangt zu dem Ergebnis, dass nicht ausgewogen, sondern elitennah berichtet wurde, Bericht und Kommentar sich vermischt haben, Gegenmeinungen nicht zum Zuge kamen.  Bezogen auf die Welt, die Süddeutsche und die FAZ schreibt die Studie: “Die Akteure, die Beteiligten und Betroffenen kamen in den drei Leitmedien vergleichsweise  selten  im  O-Ton  zu  Wort.”

Das war bei Berichten über das Leben in der DDR nicht anders – einer der Gründe für diesen Blog.

Zur Studie der Otto-Brenner-Stiftung geht es hier. Randnotiz: Die Stiftung wurde 1972 durch die Gewerkschaft IG Metall gegründet. 1997 erhielt sie umgerechnet 14 Millionen Euro aus dem Vermögen der aufgelösten IG Metall der DDR, einer Gewerkschaft innerhalb des FDGB.

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Tschüs, Volksbühne. Der Abschied vom Castorf-Kollektiv fällt umso schwerer, als vor ein paar Jahren schon das Gorki-Theater an den Zeitgeist verloren ging.
Danke für “der die mann“ (großartig! großartig!), „Murmel, Murmel“, „Die Kabale der Scheinheiligen“, „Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter“, „Keiner findet sich schön“, „Tessa Blomstedt gibt nicht auf“, „Pfusch“, „Diskurs über die Serie und Reflexionsbude (Es beginnt erst bei Drei), die das qualifiziert verarscht werden great again gemacht hat etc.“, „Faust“. Oder, länger zurückliegend: „Der Meister und Margarita“, „Die Schneekönigin“. Für „Der Spieler“, „Die Brüder Karamasow“ und „Ein schwaches Herz“ fehlte mir das Sitzfleisch, aber meine Frau und Gefährtin war hingerissen.

Danke an den Intendanten, die Regisseure und die Schauspieler. An Dramaturgie, Kostüm, Licht, Bühnenbild.

Das Publikum erhebt sich geschlossen von Parkett bis Rang und applaudiert den letzten Vorstellungen im Versuch, den Moment verweilen zu lassen.

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Das Wochenmagazin Die Zeit hat Leser mit unterschiedlichen politischen Ansichten zusammengebracht, damit sie miteinander ins Gespräch kommen: „Deutschland spricht“. Ein Artikel aus der Tastatur des Leiters der Online-Redaktion der Zeitschrift Jochen Wegner illustriert, was immer noch schiefläuft in der Diskussion zwischen den Deutschländern.

Wegner trifft sich mit Mirko (kann ja nicht jeder Ronny heißen) und spricht mit ihm unter anderem über Flüchtlinge. „Oder, wie wir im Prenzlauer Berg sagen, Geflüchtete.“ Ist das Hybris, Satire, Zynismus? Prenzlauer Berg, der gentrifizierte Ostberliner Stadtbezirk, den viele Alteingesessene verlassen mussten, weil sie nach Luxussanierungen weder die Eigentumswohnungen kaufen noch die höheren Mieten zahlen konnten oder wollten? Der Artikel hat mich an eine Zeichnung des Karikaturisten OL aus seiner witzigen Prenzelberg-Serie „Die Mütter vom Kollwitzplatz“ erinnert.  Dort fragt eine der titelgebenden Mütter eine andere Frau auf der Straße erstaunt: „Ach, Sie kommen aus Ostberlin? Wen wollen Sie denn hier besuchen?“ Ähnlich erstaunt betrachtet der Zeit-Journalist seinen Gesprächspartner und stellt überrascht fest, dass sie in manchem einer Meinung sind. Sind sie nicht putzig, diese Eingeborenen? Immerhin erkennt Wegner, dass er sich in einer Filterblase bewegt.

Kommentieren konnte ich den Beitrag auf der Zeit-Plattform übrigens nicht. Oder doch, nur veröffentlicht wurde der Kommentar nicht.  Vielleicht hätte ich bei der Anmeldung keine russische Mailadresse angeben sollen. Wobei mir einfällt, dass Wladimir Wladimirowitsch mit seinen Zahlungen an mich ganz schön im Rückstand ist. Wofür tue ich das alles hier überhaupt?

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Am 22. Juni vor 75 Jahren hat Deutschland die Sowjetunion angegriffen.  Das ZDF thematisierte den Überfall gestern  am Ende seiner Sendung heute-Journal. Die Sprecherin: Der Krieg habe “27 Millionen Sowjets” das Leben gekostet.

Sowjets! Der Lerchenberg ist offenbar immer noch oder schon wieder im kalten Krieg.   Tote Soldaten und Zivilisten als Sowjets zu bezeichen ist geschmacklos und herabwürdigend und die Verlängerung eines alten Feindbildes. Oder ist vorstellbar, dass ein Nachrichtensprecher der Öffentlich-Rechtlichen in einem ähnlichen Beitrag über die Weltkriegstoten der USA von “400.000 toten Amis” spricht?