From the monthly archives: Februar 2014
  1. Welche Begriffe verbinden Sie spontan mit der DDR?
    Auferstanden aus Ruinen (zeitlos schön; mein Handyklingelton), HammerZirkelÄhrenkranz, stinkendes Trabi- Geböller,  Völkerverständigung, VEB Pyrotechnik Silberhütte, Staatsgrenze, Kaufhalle, Solidarität, Salvador Allende in Chile, Sekundärrohstoffe, Altstoff- Sammlung, Intershop, Volkspolizisten- Witze, Braunkohlenhochtemperaturkoks, Ausreiseantrag, Junge Welt, Kollektiv, Rahmbutter, Genossen, EinStrichKeinStrich, Puhdys, Volkseigentum, Pfeffis, eigene Identität, Westfernsehen, mächtig gewaltig!
  2. Woran erinnern Sie sich besonders gern?
    Dass es Tage gab, an denen ich keinen Stasiterror erleiden mußte, wie uns heute von Knabe, Grafe und Co. (v)erklärt wird, Kindheit, Natur, Heranwachsen,  Ich hatte (fast) alles. „Womit bin ich zufrieden“ statt „was könnte ich mir alles leisten“ , Ich hatte Zeit; am 3. Oktober 1990 haben wir sie verloren – zusammen mit der individuellen Freiheit. Aber auch, dass sich etwas ändern mußte.
  3. Woran denken Sie ungern zurück?
    Herumrennen und Anstehen müssen. Beziehungen haben zu müssen, nicht nur, um in die Disco reinzukommen. Ideologische Überfrachtung („Rolle der Bedeutung“). Umweltverpestung. Ordnung durch Unterordnung (heute nicht anders). Gefilzt werden an der ČSSR- Grenze. Bier in grünen Flaschen. Stacheldraht nach innen. Frust über das Benachteiligungsgefühl gegenüber dem, was man im Westen hatte oder vermutete. D-Mark als Schattenwährung und ihre Knechtschaft, Intershop- Sozialismus. Maulhelden und Egoisten, die bei Unzufriedenheit ständig den achsogoldenen Westen bemüht haben.
  4. Wie verlief Ihr Berufsweg? (– und verläuft weiter?, F.)
    Sozialistischer Gang: Berufsausbildung Facharbeiter. Vom Staatsbürger zum Steuerbürger: Fachschulstudium+ Fachabitur, die Arbeitsverträge werden immer dicker, meine Rechte dabei immer weniger. Arbeitsamt,  Anstellungen und Freelancer. Schließlich vom Global Player geschluckt mit weiterem Freiheitsverlust durch Compliance. Schreibe englische mails mit meinen deutschen Kollegen. Quälende Belastung mit bürokratischem Schwachsinn, der obendrein kaum funktioniert.  Gefahr, kaputtflexibilitiert zu werden.
  5. Was haben Sie in der Freizeit getan?
    Jugendliebe verrissen. Ehrenamtliche Tätigkeit zum Schutz unserer Errungenschaften. Im Sommerurlaub durch den Osten gereist, bis uns die bulgarischen Grenzer von der Türkengrenze hinter Achtopol verscheucht haben. Bier getrunken. Bei Gustav im Misthaus gepennt. Lange Haare gehabt.
  6. Wen aus der DDR verehren Sie besonders und wofür?
    Alle, die zur positiven Identitätsfindung beigetragen haben, Hans Modrow für seinen Anstand beim Ende, Gundermann für seine einmalige Poesie.
  7. Was hat Ihre DDR-Vita besonders geprägt?
    Eigene Ansichten, Mitmenschen, Vorgesetzte, Miststücken.
  8. War das Verhältnis von Männern und Frauen zueinander anders als heute?
    Nicht schlechter als heute.
  9. Welche Meinung hatten Sie 1990 zur Wiedervereinigung?
    Interesse, als aber im Vorfeld der Einheit die Bezirksangaben auf unseren Ortseingangsschildern überklebt wurden, wurde ich nachdenklich. Das Loch tat sich auf. Der Westen hat bis heute keine wirkliche Chance. Ich stecke zwar drin, habe aber wieder meine Nische. Na und? Bin stolz auf meine Vita. Unsere Identität nimmt und niemand.
  10. Welche Meinung haben Sie heute zum vereinten Deutschland?
    Der real existierende Kapitalismus hat auch nicht gewonnen,  er ist nur übriggeblieben. Von deutschem Boden geht Fortschritt und nicht nur Unheil aus, wenn man mal von den Abenteuern der Bundeswehr absieht. Krämerseelen und ihre Advokaten sind es, die uns im Hintergrund weltweit vernetzt, regieren, auch wenn im Parlament bunte Parteienvielfalt sichtbar ist. Bin nicht bei Facebook und zocke nicht bei Ebay, mein Handy hat nur eine Telefonier- App. Die Würde des globalisierten Menschen ist infolge schamloser Spionage durch Konzerne und Schurkenstaaten verletzt. Deutsche Regierung schaltet gern in den Duckmäuser- Modus, wenn es um die Freunde hinterm Teich und am östlichen Mittelmeer-Ufer geht. Political Correctness hieß früher Parteilichkeit. Gut, dass die FDP raus ist. Wir Ossis haben beides live erlebt und können urteilen. Es gibt kein Zurück. Ansonsten siehe auch Punkt 4.

    Und falls Sie noch Ihren Lieblings-Ostwitz loswerden wollen: nur zu.
    Die Titanic soll gehoben werden. Drei Großmächte (USA, UdSSR und DDR) wollen es gemeinsam versuchen und vereinbaren: Die USA bekommt den Tresor und die Wertsachen, die UdSSR den ganzen Stahl und die DDR die Musikinstrumente der Kapelle, die bis zum Untergang gespielt haben. (Diesen Witz erstmals gehört von einem Prof. am Zentralinstitut für soz. Wirtschaftsführung!)

    Studie über die politische Wirklichkeit unter Lenin, Stalin und Honecker am konkreten Beispiel: Ein Reisezug fährt durch die Landschaft und plötzlich hören die Schienen auf.
    Was tut Lenin: Mobilisiert die Massen und läßt mit vereinten Kräften die Gleise weiterbauen.
    Was tut Stalin: Läßt das gesamte Zugpersonal erschiessen.
    Was tut Honecker: Trommelt die Genossen unter den Passagieren aus dem Zug und läßt sie an den Waggons rütteln.
  1. Welche Begriffe verbinden Sie spontan mit der DDR?
    Mauer, Honecker.
  2. Woran erinnern Sie sich besonders gern?
    Urlaube in Dresden, Berliner Seen und die Ostsee
  3. Woran denken Sie ungern zurück?
    Unterschwellige Repressionen und Verhöre bereits im Schulalter (ich war kein Pionier, meine Eltern christlich engagiert). Frage eine Ferienlagerbetreuers, den ich nicht kannte: “Warum bist du kein Pionier?” Weiß nicht, warum mir dies haften blieb. Im Nachgang weiß man aber, wer den Auftrag zur Spionage gab …
  4. Wie verlief Ihr Berufsweg?
    Als die Wende kam, war ich erst 12. Ich hatte also bis dahin keinen Werdegang, der systembeeinflusst war. Das hätte sich bei der EOS zu meinem Nachteil ändern können …
  5. Was haben Sie in der Freizeit getan?
    Hab mich mit Freunden getroffen, Fußball gespielt, die ungesicherten Baustellen der Wohngebietsbaustellen erforscht.
  6. Wen aus der DDR verehren Sie besonders und wofür?
    Jeden, der seinen Mund gegen das System aufgemacht hat oder im Untergrund gearbeitet hat und dafür Risiken eingegangen ist. Ich wäre vielleicht ein Mitläufer geworden, für den ich mich dann hassen würde. Hauptsache in Ruhe leben …
  7. Was hat Ihre DDR-Vita besonders geprägt?
    Das Gefühl, nicht frei zu sein. Das klingt bei einem Kind unglaubwürdig, aber man hat Westfernsehen gesehen und empfand es ungerecht, warum die “drüben” die bessere Schokolade, das bessere Spielzeug und Westautos hatten …
  8. War das Verhältnis von Männern und Frauen zueinander anders als heute?
    Ist für mich nicht einschätzbar.
  9. Welche Meinung hatten Sie 1990 zur Wiedervereinigung?
    Das beste was mir für meine weitere Entwicklung passieren konnte. Freiheit. Freiheit. Freiheit. Freude. Ende der Diktatur.
  10. Welche Meinung haben Sie heute zum vereinten Deutschland?
    Wir haben kein fehlerfreies System, es gibt eine Ellbogengesellschaft. Es ist nicht alles gerecht. Viele Menschen sind Wendehälse und richten sich in den bestehenden Systemen ein und jeder sucht seinen Vorteil. Und das ist, so schlimm es ist, einfach menschlich.
  11. Und trotzdem möchte ich für nichts auf der Welt die DDR zurück oder in einem anderen Land leben. Unser Land ist wunderbar in vielerlei Hinsicht. Mir geht die Ostverklärung gegen den Strich. Es war eine Diktatur. Nichts anderes.

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  1. Welche Begriffe verbinden Sie spontan mit der DDR?
    ATA, Friedensfahrt, Grenze ist gefährlich … und wenns auch nur die zur ČSSR ist
  2. Woran erinnern Sie sich besonders gern?
    An den eigenen Radsport. An Arbeiter, die mir als 9-jährigem in der Arbeitszeit meinen Vorderradreifen geflickt haben, damit ich weiter die 20 km zur Oma ausbüxen konnte. Freibad.
  3. Woran denken Sie ungern zurück?
    Pionierappell am Montagmorgen. 1.-Mai-Demonstration, Mifa-Fahrräder. Die Bevorzugung Berlins als Hauptstadt der DDR … furchtbar. Plumpsklo im Winter.
  4. Wie verlief Ihr Berufsweg?
    POS, Leistungsklassen, Gymnasium, Zivi, Studium, Referendariat, Job.
  5. Was haben Sie in der Freizeit getan?
    Radsport trainiert im Club, gelesen, DT64 gehört und einmal pro Woche 1 Stunde Heavy Metal aufgenommen.
  6. Wen aus der DDR verehren Sie besonders und wofür?
    Olaf Ludwig, Olympiasieg in Seoul im Straßenrennen. Helga Hahnemann, in “7-10, Spree-Athen”.  Heinz rennhack, Herricht und Preil als Komiker. Wolfgang “Stumpi” Stumpf als einer der was riskierte, als viele noch nicht aufgewacht waren. Die Leute vom “Neuen Forum” und von der Kirche, die nicht konform waren (nicht, dass ich die persönlich gekannt hätte).
  7. Was hat Ihre DDR-Vita besonders geprägt?
    Der Austritt meiner alleinerziehenden Mutter aus der SED 1986.
  8. War das Verhältnis von Männern und Frauen zueinander anders als heute?
    Ich war 14, als die Mauer fiel.
  9. Welche Meinung hatten Sie 1990 zur Wiedervereinigung?
    Suuuuuuper! Unfassbar! So spannend.
  10. Welche Meinung haben Sie heute zum vereinten Deutschland?
    Gott sei Dank! Buchstäblich. Ist immer noch ein Wunder für mich. Kann alle übertriebene Ostalgie und Ablehnung des “Westens” nicht nachvollziehen. Wirklich.F inde ich undankbares Verhalten. Statt Mini-Stipendium als Student war ich “reicher” Bafög-Empfänger, der Audi fuhr (zugegeben, der war alt. Aber eigenfinanziert, ohne Eltern-Zuschuss). ich habe die Freiheit, im Rahmen der Gesetze, zu tun und lassen, was ich will. Zu leben, wo ich will. Propaganda gibts immer noch. Pro-Homosexuelle, Pro-Abtreibung usw.

    Und falls Sie noch Ihren Lieblings-Ostwitz loswerden wollen: nur zu.
    Radio Jerewan: “Bei uns in der UdSSR wächst das Getreide wie Telegraphenmasten!” “Was?! So hoch?!” “Neee, so weit auseinander!”

    “Warum ist die UdSSR unser Bruder und nicht unser Freund?”
    “Freunde kann man aussuchen …”

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