From the monthly archives: Juni 2017

Tschüs, Volksbühne. Der Abschied vom Castorf-Kollektiv fällt umso schwerer, als vor ein paar Jahren schon das Gorki-Theater an den Zeitgeist verloren ging.
Danke für “der die mann“ (großartig! großartig!), „Murmel, Murmel“, „Die Kabale der Scheinheiligen“, „Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter“, „Keiner findet sich schön“, „Tessa Blomstedt gibt nicht auf“, „Pfusch“, „Diskurs über die Serie und Reflexionsbude (Es beginnt erst bei Drei), die das qualifiziert verarscht werden great again gemacht hat etc.“, „Faust“. Oder, länger zurückliegend: „Der Meister und Margarita“, „Die Schneekönigin“. Für „Der Spieler“, „Die Brüder Karamasow“ und „Ein schwaches Herz“ fehlte mir das Sitzfleisch, aber meine Frau und Gefährtin war hingerissen.

Danke an den Intendanten, die Regisseure und die Schauspieler. An Dramaturgie, Kostüm, Licht, Bühnenbild.

Das Publikum erhebt sich geschlossen von Parkett bis Rang und applaudiert den letzten Vorstellungen im Versuch, den Moment verweilen zu lassen.

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Das Wochenmagazin Die Zeit hat Leser mit unterschiedlichen politischen Ansichten zusammengebracht, damit sie miteinander ins Gespräch kommen: „Deutschland spricht“. Ein Artikel aus der Tastatur des Leiters der Online-Redaktion der Zeitschrift Jochen Wegner illustriert, was immer noch schiefläuft in der Diskussion zwischen den Deutschländern.

Wegner trifft sich mit Mirko (kann ja nicht jeder Ronny heißen) und spricht mit ihm unter anderem über Flüchtlinge. „Oder, wie wir im Prenzlauer Berg sagen, Geflüchtete.“ Ist das Hybris, Satire, Zynismus? Prenzlauer Berg, der gentrifizierte Ostberliner Stadtbezirk, den viele Alteingesessene verlassen mussten, weil sie nach Luxussanierungen weder die Eigentumswohnungen kaufen noch die höheren Mieten zahlen konnten oder wollten? Der Artikel hat mich an eine Zeichnung des Karikaturisten OL aus seiner witzigen Prenzelberg-Serie „Die Mütter vom Kollwitzplatz“ erinnert.  Dort fragt eine der titelgebenden Mütter eine andere Frau auf der Straße erstaunt: „Ach, Sie kommen aus Ostberlin? Wen wollen Sie denn hier besuchen?“ Ähnlich erstaunt betrachtet der Zeit-Journalist seinen Gesprächspartner und stellt überrascht fest, dass sie in manchem einer Meinung sind. Sind sie nicht putzig, diese Eingeborenen? Immerhin erkennt Wegner, dass er sich in einer Filterblase bewegt.

Kommentieren konnte ich den Beitrag auf der Zeit-Plattform übrigens nicht. Oder doch, nur veröffentlicht wurde der Kommentar nicht.  Vielleicht hätte ich bei der Anmeldung keine russische Mailadresse angeben sollen. Wobei mir einfällt, dass Wladimir Wladimirowitsch mit seinen Zahlungen an mich ganz schön im Rückstand ist. Wofür tue ich das alles hier überhaupt?

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