FCM-Bayern, 1974. Seguin köpft den Ball aus der Gefahrenzone. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-N1108-304 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de

Er war der international erfolgreichste Fußballverein der DDR. Und dann für ein Vierteljahrhundert auf Dorffußballplätze entschwunden. Jetzt steigen die laut Fangesang Größten der Welt vielleicht endlich in die zweite Bundesliga auf.

20.4.1974. Der 1. FC Magdeburg gewinnt vor 35.000 Zuschauern im Europacup gegen Sporting Lissabon, kommt ins Endspiel und wird durch ein 2:0 gegen den AC Milan der einzige Europapokalsieger, den die DDR je hatte. 5.5.1996: Weniger als 300 Zuschauer sehen die Heimniederlage gegen den Parchimer FC 92 in der Staffel Nord der Oberliga Nordost.

Kaum eine andere Mannschaft war nach der Wende so von Pleiten, Pech und Pannen verfolgt wie der siebenfache FDGB-Pokalsieger und dreimalige DDR-Meister FCM. Während Mannschaften wie VfB Leipzig, Dynamo Dresden, Hansa Rostock und selbst Energie Cottbus in der 1. Bundesliga spielten, verschwand Magdeburg für 24 lange Jahre in den Niederungen des Amateurfußballs, von gelegentlichen Wortmeldungen im DFB-Pokal abgesehen. Zu Selbstüberschätzung und Misswirtschaft kam zuverlässig auch sportliches Pech. Strukturierten die Fußball-Oberen die Ligen um – der Club verlor. Der Insolvenz 2002 folgte ein Zwischenhoch unter Dirk Heyne als Trainer, das 2007 fast in die Zweite Liga geführt hätte. Schon die folgende Saison brachte den nächsten Rückschlag. Platz zehn hätte gereicht für die neu eingerichtete Profiliga Dritte Liga. Magdeburg wurde Elfter – durch das schlechtere Torverhältnis gegenüber Eintracht Braunschweig.

Der Umschwung gelang erst 2015. Ein besonnenes Management mit einem Präsidenten aus der Wirtschaft und mit Mario Kallnik als energischem Sportdirektor, die Weiterentwicklung der Mannschaft durch den neuen Trainer Jens Härtel und das sehr laute Stadion trugen dazu bei, dass Magdeburg Regionalligameister wurde, in zwei Relegationsspielen Kickers Offenbach bezwang und seitdem in der 3. Liga spielt. Eigentlich macht diese Liga Spaß – auch wegen der dort zahlreich vertretenen anderen Ost-Mannschaften. Aber nach zwei vierten Plätzen soll dieses Jahr der Aufstieg her. Nicht mehr gegen Bremen II spielen, sondern gegen den dann womöglich abgestiegenen HSV. Und natürlich gegen Dynamo Dresden, den ewigen Rivalen.

Mindestens zweitligareif sind schon die Zuschauer. In den bisherigen Heimspielen der Saison kamen im Schnitt gut 17 000, nach Bremen reisten über 4 000 Auswärtsfahrer mit. Das Heimpublikum im Heinz-Krügel-Stadion ist so heftig gehüpft, dass die Statik des Stadions nachgebessert werden muss. Bis dahin herrscht Hüpfverbot – und elbaufwärts in Dresden singen sie ihr Standard-Liedgut „Wer nicht hüpft ist Magdeburger“ seitdem noch ein bisschen gehässiger. Auch wenn man sich aus den Augen ist, ist man sich doch nicht aus dem Sinn. Am Sonnabend spielt Magdeburg (derzeit auf Platz 1) übrigens gegen Sachsenring den FSV Zwickau (14).

Website 1. FCM
Stimmung im Stadion
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3 Responses to Auferstanden aus Ruinen – der 1. FC Magdeburg

  1. Redaktion sagt:

    Nachtrag: Das Spiel am Sonnabend ist abgesagt, weil der Rasen nicht bespielbar ist.

  2. Redaktion sagt:

    Uffjestiejen. Durch das heutige 2:0 gegen Fortuna Köln ist der 1. FCM nicht mehr von einem Aufstiegsplatz zu verdrängen.

  3. Redaktion sagt:

    Und heute ist der FCM durch einen Last-Minute-Sieg in Lotte (88. Minute) auch Meister der Dritten Liga geworden.

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