Anfrage an Radio Jerewan: Stimmt es, dass die Manager des Deutschen Fußball-Bunds nicht mit dem Zug fahren, weil sie dort immer Autogramme geben müssen?

Antwort: Im Prinzip ja. Vor allem handelt es sich aber um eine Allergie gegen die Durchsage “Zurücktreten bitte!”

Für alle, die nicht auf dem Laufenden sind beim Fußballgeschehen, hier eine Zusammenfassung:

  • Die deutschen Nationalspieler Gündogan und Özil treffen den türkischen Präsidenten Erdogan und posieren mit ihm für Fotos. Gündogan überreicht ein Trikot mit der handschriftlichen Widmung “Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll”.
  • DFB-Präsident Grindel twittert, er finde es nicht gut, dass sich “unsere Nationalspieler” für Wahlkampf missbrauchen ließen.
  • Gündogan sagt, er verstehe die Kritik, habe aber kein politisches Statement beabsichtigt. Özil sagt nichts; vermutlich ist ihm das Ganze einfach zu doof.
  • In den nächsten Testspielen werden die beiden von einem Teil des Publikums ausgepfiffen.
  • Der DFB erklärt die Affäre für beendet und fliegt nach Moskau.
  • Dort spielt Die Mannschaft Fußball ohne Einfälle und Leidenschaft und fliegt in der Vorrunde aus dem Turnier. DFB-Kader provozieren nach dem einzigen Sieg den gegnerischen Trainer.
  • Der DFB entschuldigt sich.
  • Trainer Löw erklärt, er wolle weitermachen.
  • Der DFB freut sich.
  • Präsident Grindel fordert Özil über ein Interview im Kicker zu einer Erklärung wegen der Fotos auf. Auch Teammanager Oliver Bierhoff kürt Özil zum Sündenbock (man hätte “überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet”), fühlt sich dann aber falsch zitiert und erklärt, er habe Özil nicht an den Pranger stellen wollen.
  • Aktuell weisen Zeitungen darauf hin, dass Bierhoff vermutlich jahrelang doppelt abkassiert hat – in seiner Funktion als Teammanager wie auch bei der Vermarktung von Sportlern, Trainern oder dem Nationalmannschaftskoch.

Im Hintergrund läuft sich WM-2014-Held Philipp Lahm warm. Steht er für eine Einwechselung bereit? Und war da nicht noch etwas mit einem womöglich durch Bestechung erkauften Sommermärchen 2006? Und warum noch mal muss die nächste WM im Winter in der Wüste stattfinden? In Stadien, die von Arbeitern unter sklavereiähnlichen Bedingungen errichtet werden?

Willkommen in der 1. Klasse.

 

One Response to DFB, olé, ade

  1. Redaktion sagt:

    Am 22. Juli hat Özil über sein Erdogan-Foto auf Englisch getwittert. Es sei ihm nicht um Politik gegangen, sondern um Respekt vor dem höchsten Amt im Land seiner Familie.

    https://twitter.com/MesutOzil1088

    Nachtrag am späteren Abend: Özil erklärt über Sozial Media seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft, solange er “dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit” verspüre. Er wolle nicht mehr Sündenbock für die Inkompetenz des DFB-Präsidenten Grindel sein.

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